„Wenn wir alle an einem Strang ziehen, haben wir eine gute Chance“

Am 24. August empfing Landrat Heuwinkel Vertreter des Fördervereins für ein Interview zum Stand der Verhandlungen über einen Nationalpark in Lippe. Von links: Dr. Ute Röder (Vorsitzende), Friedel Heuwinkel, Prof. Karl A. Otto (stellv. Vorsitzender)Interview mit Landrat Friedel Heuwinkel zum geplanten Nationalpark Lippe

Herr Heuwinkel, am 18. Juni hat der Kreistag des Kreises Lippe bei nur einer Gegenstimme beschlossen, der Landrat solle „unverzüglich mit dem Umweltministerium in Düsseldorf Verhandlungen aufnehmen mit dem Ziel, einen Nationalpark auf dem Gebiet des Kreises Lippe einzurichten“. Uns interessiert der Stand dieser Verhandlungen. Haben sie schon zu einem Ergebnis geführt?

Ich freue mich, dass ich diesen Auftrag mit so großer Mehrheit bekommen habe, dass der Kreistag sich wieder sehr intensiv mit dem Thema Umwelt als Standortfaktor für Lippe auseinandersetzen will.

Ich habe natürlich gleich Kontakte mit dem Ministerium aufgenommen und mit Staatssekretär Dr, Schink und einigen Vertretern des Ministeriums Gespräche geführt. Dabei haben wir erste Ideen zusammengetragen und überlegt, wie wir den Nationalpark hier thematisieren können.

Ganz wichtig war es, aus dem Ministerium zu hören, dass dies Projekt von unten nach oben wachsen muss. Das heißt: Wir brauchen das Einvernehmen vor Ort sowohl mit den Eigentümern der Flächen wie auch mit den Interessenvertretern aus der Region, mit den Städten, Gemeinden, dem Landesverband, dem Prinzen, mit Organisationen und Vereinen. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, haben wir eine gute Chance, in Düsseldorf auch Gehör zu finden.

In der Presse war zu lesen, dass Sie hoffen, die Planungsgrundlagen schon 2009/10 schaffen zu können. Ist das eine realistische Erwartung?

Das hängt davon ab, wie schnell die Gespräche mit den Eigentümern und den kommunalen Vertretern vor Ort, die jetzt anlaufen, zu Ergebnissen führen.

Wir haben uns – auch mit dem Ministerium – abgesprochen, dass wir in den nächsten zwei bis drei Monaten die fachlichen Voraussetzungen, die Alleinstellungsmerkmale eines Nationalparks Lippe diskutieren wollen, die wir für einen Errichtungsbeschluss brauchen. Wir könnten dann bis 2009 oder spätestens 2010 auch die grundsätzliche Entscheidung treffen. Ich bin nach wie vor guter Hoffnung, das auch hinzukriegen.

Widerstände, die Sie besorgt machen, sehen Sie also im Augenblick keine?

Wenn es gelingt, die Menschen davon zu überzeugen, dass Umwelt und Umweltschutz ein ganz wichtiger Standortfaktor für unsere Region ist, werden die Widerstände wohl geringer werden. Gleichwohl müssen wir jeden Eigentümer, der in der Gebietskulisse zu Hause ist, ernst nehmen und mit ihm reden. Im Leben gibt es nicht nur ein Geben und Nehmen, es gibt auch ein Miteinander. Man kann Kompromisse schließen. Das haben wir ja auch in unseren Landschaftsplanungen schon die ganzen Jahre im Einvernehmen hingekriegt.

Sie engagieren sich ja jetzt sehr für dieses Projekt. Welche Vorteile für die Region erwarten Sie von einem Nationalpark?

In den letzten Jahren zeigte sich insbesondere in den neuen Bundesländern, aber nicht nur dort, dass gerade auch junge Menschen aus ihrer Region abwandern, wenn sie ihren Standort nicht als zukunftsfähig sehen.

Zur Zukunftsfähigkeit eines Standortes gehören aber viele Faktoren. Wir können den Standort nicht entwickeln, wenn wir nur die Wirtschaft oder die mittelständischen Betriebe, nur die Bildungseinrichtungen, nur kulturelle oder touristische Ziele sehen. Ich freue mich ganz besonders, dass in Lippe auch unsere Wirtschaft erkannt hat, dass unser Standort so gut ist wie die vielen Standortfaktoren zusammen. Ein ganz wichtiger Standortfaktor ist eben auch der gesamte Bereich Umwelt mit dem I-Tüpfelchen Nationalpark. Angesichts der demografischen Entwicklung werden die Mitarbeiter von Betrieben künftig sehr darauf achten, wie sich die Gesamtregion entwickeln wird, in der sie arbeiten wollen.

Wir werden immer wieder nach der Gebietskulisse für einen Nationalpark Lippe gefragt. Gibt es dazu schon genauere Vorstellungen?

Wir haben ja durch unsere Landschaftspläne, auch durch den Kauf von Flächen schon sehr viele Naturschutzgebiete oder besonders geschützte Landschaftsbestandteile, die bereits einen gewissen Rahmen darstellen, in dem wir einen Nationalpark entwickeln wollen. Die Fläche wird komplett am Sennerand liegen und Teile des Teutoburger Waldes mit einschließen. Aber das ist noch keine feste Gebietskulisse. Die wollen wir ja mit den Beteiligten vor Ort gemeinsam erarbeiten.

Bei den Städten und Gemeinden gibt es interessante Ideen, wie sie mit angrenzenden landschaftlichen Bereichen in eine Kulisse mit einbezogen werden können. Erste Gespräche haben gezeigt, dass es auch Gemeinsamkeiten mit dem Landesverband, einem der großen Eigentümer unserer Region gibt. Ich habe an keiner Stelle eine zue Tür gefunden, die beim Thema Nationalpark gar nicht aufgeschlossen wird.

Im Kreistagsbeschluss vom 18. Juni wird als Grundlage für diese Entschließung auf einen Beschluss des Kreistages vom 20.12.2004 verwiesen. Darin wird ausdrücklich „die Errichtung eines Nationalparks Senne“ unterstützt. Lässt dieser Verweis den Schluss zu, dass der Kreistag Lippe die Entwicklung dahin offen halten und jedenfalls nicht blockieren will?

Der Beschluss von damals wurde nicht aufgehoben und steht somit nach wie vor. Aber bei der Erarbeitung der Kulisse für einen Nationalpark Lippe werden wir uns komplett außerhalb der Senne bewegen. Wir werden also die Nutzung oder die Nutzer der Senne nicht beeinträchtigen. Gleichwohl wissen wir alle, das wissen die Briten und das weiß auch die Bundeswehr, mit welchem Juwel wir es in der Senne zu tun haben.

Das schließt doch aber nicht aus, dass auch Bereiche der Senne, die außerhalb des Truppenübungsplatzes liegen, in die Überlegungen mit aufgenommen werden.

Ja, natürlich. Darum habe ich ja auch den Sennerand genannt. Schlangen etwa liegt am Sennerand, hat einige Flächen direkt an der Grenze und einige Flächen aus der Senne sogar zurückbekommen. Nur werden wir eine Senne-Diskussion nicht führen, weil dieses Juwel sonst gefährdet sein könnte.

Der Beschluss vom Dezember 2004 sieht auch vor, dass „bei Erstellung von Gebietskulissen und Entwicklungsplänen alle örtlichen Institutionen, wie der Naturpark Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald, die Landschaftsbehörden, die biologischen Stationen usw. mit einzubeziehen“ sind.

Das ist ja auch Ihre Intention. Haben Sie in dieser Hinsicht auch Erwartungen an den Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge?

Natürlich würde ich mich freuen, wenn alle, denen an der Weiterentwicklung unserer Region gelegen ist – und dazu gehören für mich die wirtschaftliche Entwicklung ebenso wie die Entwicklung unserer Natur und Umwelt – daran konstruktiv mitarbeiten.

Das gilt für den Förderverein genauso wie für andere Organisationen und Verbände. Wichtig ist mir, dass sich alle Beteiligten offen in die Augen schauen und keine gegenseitigen Fronten aufbauen, damit wir gemeinsam Lösungswege finden können. Schlecht wäre, wenn wir aus ideologischen Gründen sagen würden: unsere Position steht unverrückbar fest und es führt keine Brücke zur anderen Seite.

Wenn wir in der fachlichen Diskussion in den nächsten zwei oder drei Monaten ein Stück weiter gekommen sind und die fachlichen Grundlagen erarbeitet haben, wäre ich sehr dafür, dass sich alle örtlichen Institutionen und Fachverbände an einen Tisch setzen, wo jeder sein fachliches know how einbringen kann.

Da wäre dann auch der Förderverein mit seinen Ideen und seiner wirklich guten Arbeit, die er an vielen Stellen geleistet hat, gefragt.

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