Seltene Wintergäste zu Gast am Rand der Senne und des Teutoburger Waldes

Männliche Kornweihe über der Gemeinde SchlangenDie strukturreiche, von zahlreichen Hecken und Gehölzstreifen unterbrochene Feldlandschaft um die Gemeinde Schlangen ist die Heimat vieler für diesen Lebensraum typischen Brutvogelarten, z.B. der Feldlerche, des Rebhuhns oder der Goldammer. In den Wintermonaten wird die Natur am Rand von Teutoburger Wald und Senne durch seltene Wintergäste aus dem Norden und Osten Europas bereichert.

So stehen im Winter die Chancen gut, in der durch Feld- und Wanderwege erschlossenen Feldflur östlich der Fürstenallee bei Oesterholz-Haustenbeck Kornweihen und Raubwürger zu entdecken. Bei Oesterholz-Haustenbeck können momentan gleich zwei Exemplare der Kornweihe beobachtet werden, wenn Sie mit eleganten Flügelschlägen, dicht über den Boden fliegend, nach Beute suchen. Aufgrund seines silbergrauen Gefieders mit schwarzen Flügelspitzen ist das Männchen leicht zu entdecken. Das Weibchen ist aufgrund seines unscheinbar bräunlich gemusterten Gefieders weniger auffällig. Die Kornweihe ist in Deutschland als Brutvogel nahezu ausgestorben. In NRW wurden in den letzten Jahren lediglich einzelne Bruten in der Soester Börde, aber auch in der Senne nachgewiesen. Laut Angaben des Landesamtes für Natur, Umwelt, und Verbraucherschutz (LANUV NRW) überwintern allerdings jeden Winter 100-200 Kornweihen aus dem Norden und Osten Europas in NRW, schwerpunktmäßig in der Hellwegbörde und der Kölner Bucht. Die wenigen deutschen Brutpaare ziehen dagegen in weiter südlich gelegene Überwinterungsgebiete. Beim Raubwürger, einer räuberisch lebenden Singvogelart, verhält es sich ähnlich. Auch sein Bestand ist deutschlandweit bedroht, in der Senne und in Teilen des Eggegebirges gibt es allerdings kleinere Brutvorkommen. Das bedeutendste Brutgebiet in NRW ist die Medebacher Bucht mit rund 30 Brutpaaren (laut LANUV NRW). Ein Teil der heimischen Population überwintert auch in ihren Brutgebieten, meist trifft man bei uns im Winter aber auf Gäste aus nordöstlichen Gebieten. Trotz seiner geringen Größe ist der Raubwürger aufgrund seiner kontrastreichen Färbung und der Tatsache, dass er gerne von erhöhten Warten aus Ausschau nach Beute hält, relativ einfach zu entdecken. Ein weiteres Zeichen für die Anwesenheit des Raubwürgers ist seine Vorratshaltung: Bei Nahrungsüberschuss spießt er seine Jagdbeute, Mäuse und kleine Singvögel, gerne im dornigen Gestrüpp als Vorrat für die nächsten Tage auf.

Text und Bilder: Birger Meierjohann

Birger Meierjohann gilt als ausgewiesener Kenner der Vogelwelt im Kreis Lippe. Er hat lange Zeit im Vogelpark Heiligenkirchen bei der Pflege und Aufzucht von Vögeln mitgearbeitet.

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