Senne-Kolloquium anlässlich des 80. Geburtstages von Dr. Ernst-Theodor Seraphim

Dr. Ernst –Theodor Seraphim – ein herausragender Naturforscher und Vordenker des Naturschutzes in Ostwestfalen-LippeZu Ehren des 80. Geburtstags von Dr. Ernst Seraphim veranstaltete der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge am vergangenen Freitag, den 22.08. in Schloss Neuhaus ein Senne-Kolloquium. Dr. Seraphim ist als der beste Kenner der Senne weit über die Grenzen OWLs hinaus bekannt und hat sich als Wissenschaftler große Verdienste um den Naturraum Senne erworben.

Viele waren der Einladung des Fördervereins gefolgt, meist Aktive aus der Naturschutzszene in OWL oder Personen, die sich wissenschaftlich mit dem Thema Senne auseinandergesetzt haben. Ein Zeichen besonderer Wertschätzung war, dass namhafte Referenten gekommen waren und auch Landrat Müller es sich nicht entgehen ließ, das „Urgestein des Naturschutzes in Paderborn“ mit seiner Vielzahl von Aktivitäten z.B. im Landschaftsbeirat zu würdigen.

Dr. Ute Röder, die Vorsitzende des Fördervereins hob in ihrer Begrüßung hervor, dass Dr. Seraphim federführend auch die Fachkulisse des potentiellen Nationalparks „Senne-Teutoburger Wald-Eggegebirge“ erarbeitet hat, eine ganz wesentliche Grundlage der Arbeit des Fördervereins.

Besonders würdigte sie, dass Dr. Seraphim zum Einen fundierte wissenschaftliche Arbeit zur Senne leistet und er sich zum Anderen aber auch in die politische Diskussion um das Thema Nationalpark konsequent einbringt. Dr. Röder erwähnte, dass die potentielle Kulisse des aktuell diskutierten Nationalparks Lippe Teil des Gesamtkulisse von Dr. Seraphim ist und sie erfreut ist, dass die Gutachten gezeigt haben, dass aufgrund der hohen Wertigkeit des Teutoburger Waldes mit seinen Wäldern, Felsen und Höhlen der Nationalpark Lippe auch ohne den Truppenübungsplatz nationalparkwürdig ist.

Prof. Dr. Klaus Temlitz, der 30 Jahre als Geschäftsführer der Geographischen Kommission für Westfalen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe immer wieder auch Kontakt zum Wissenschaftler Ernst-Theodor Seraphim hatte, war es mit seinem ausgezeichneten und detailreichen Vortrag gelungen, dass Themenspektrum des wissenschaftlichen Werkes von Ernst-Theodor Seraphim mit Bezug zur Senne und zu Ostwestfalen umfassend vorzustellen und zu würdigen. In seinem Vortrag spannte er den Bogen vom 3-jährigen Geschiebe sammelnden Ernst-Theodor bis zum 80-jährigen Wissenschaftler Dr. Seraphim mit ungebrochener Motivation zu Vortrags- und Publikationstätigkeit. Woher nimmt der Mann diese Motivation? Die Antwort gab Dr. Seraphim in seinem abschließenden Vortrag selbst. Es ist wohl die anhaltende Faszination, die Phänomene der Natur zu beobachten, zu verstehen und sie anderen zu erklären, die Ernst-Theodor Seraphim immer wieder hinaus in die Landschaft von Senne, Egge und Teutoburger Wald  führen und später an den Schreibtisch, um die neuen Erkenntnisse zu Papier zu bringen.

Wissenschaftlich ist unbestritten, dass die Sennelandschaft mit den Übergängen zum Mittelgebirge europa-, bundes- und landesweit von herausragender naturschutzfachlicher Bedeutung ist. Herr Prof. Dr. Josef Blab, Abteilungsleiter im Bundesamt für Naturschutz (BfN), Bonn, hat in seinem Vortrag darauf hingewiesen, dass dem Waldnaturschutz durch Waldumbau der Kiefernwälder auf dem Truppenübungsplatz und durch den Schutz der Laub-Mischwälder, auch durch Nutzungsverzicht, in diesem Zusammenhang eine zentrale Bedeutung zukommt, wenn es auf dem Truppenübungsplatz umgesetzt würde.

Mit Recht hat Herr Dr. Martin Woike, Vizepräsident des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen (LANUV) auf die herausragende Bedeutung und die Pflege und Entwicklung der großflächigen, schutzwürdigen Kulturlandschaftsbiotope (Heiden und Sandmagerrasen) hervorgehoben. Beides ist möglich, denn wie Blab schon 1994 in einem Vortrag in Hövelhof hervorgehoben und Seraphim 1995 in einer wegweisenden Publikation detailliert ausgeführt hat, liegt die besondere Qualität dieses Raumes auch darin begründet, dass wir hier über nahezu 200 Quadratkilometer unbesiedelte und weitgehend unzerschnittene Landschaft verfügen und das in einem so dicht besiedelten Land wie Nordrhein-Westfalen. Ein erster wichtiger Schritt zum Schutz dieser Landschaft wurde durch die großflächige Ausweisung von FFH-Gebieten nach europäischem Naturschutzrecht vollzogen. Die Umsetzung nach Landesrecht ist in Arbeit. Einer nationalparkkonformen Entwicklung der Wälder der Senne wird in diesem Zusammenhang eine besondere Beachtung geschenkt, versicherte auch Dr. Woike von der LANUV.

Der Erkenntnisgewinn der landeskundlichen und naturschutzfachlichen Forschung von Ernst-Theodor Seraphim, bisher in insgesamt 83 wissenschaftlichen Publikationen dargelegt, ist von großem Wert für die Zukunft. „Wir danken Ihnen, Herr Dr. Seraphim, für diese herausragende Leistung, verbunden mit unserem besonderen Dank ist aber auch der ausdrückliche Wunsch, dass Sie uns auch in den nächsten Jahren mit ihrer Fachkenntnis und mit ihrer weit über Naturschutzkreise hinaus in besonderer Weise geachteten Persönlichkeit zur Seite stehen und mit uns gemeinsam die nächsten Schritte zur naturschutzfachlichen Sicherung dieses Raumes vorbereiten und umsetzen. Wir dürfen nicht müde werden im Kampf um die Errichtung eines Nationalparks“, so Prof. Dr. Ulrich Harteisen in seinen Abschlussworten.

{ gallery [Senne_Kolloquium] }

Schreibe einen Kommentar