Bezirkskonferenz Naturschutz im Regierungsbezirk Detmold

Die Bezirkskonferenz Naturschutz fordert in der Nationalparkdiskussion mehr Sachlichkeit und Bestimmtheit: Wald von Horn und Prinz zur Lippe raus und eine Bürgerbefragung in ganz NRW

Im Anschluß an das wissenschaftliche Symposium „Nationalpark OWL – Verantwortung für unser Naturerbe“ tagte am 25.4.12 die Bezirkskonferenz Naturschutz im Regierungsbezirk Detmold in den Räumen der Hochschule OWL. Zentrales Thema war neben dem Straßenbau erneut der Nationalpark im Teutoburger Wald: „ Der ganzen Diskussion fehlt es an Sachlichkeit und Bestimmtheit“, konstatierte der neue und alte Sprecher, Karsten Otte. Ebenso einstimmig wiedergewählt wurde Herbert Dehmel als stellv. Sprecher. Daher fordert die Bezirkskonferenz, in der die Naturschutzverbände der Region gebündelt sind, dass die Diskussion um die privaten und kommunalen Waldflächen in der Nationalparkkulisse ein Ende haben muß: „Wir fordern, dass die Flächen des Prinz zur Lippe und der Stadt Horn aus der Nationalparkkulisse ausgeschlossen werden !“ Das hochkarätig besetzte Symposium hat letzte Zweifel beseitigt, dass eine Kulisse auch ohne diese beiden Waldstücke nationalparkwürdig sei. Zudem gelte nach H. Dehmel in Abwandlung eines Zitats von Herbert Wehner: „Wer rausgeht, kann auch wieder reinkommen.“

Außerordentlich positiv bewertet die Bezirkskonferenz das Ergebnis der gestrigen wissenschaftlichen Veranstaltung. Viele der Argumente gegen einen Nationalpark sind dabei von den Referenten sachlich widerlegt worden. „Wir fühlen uns auf dem Weg zum Schutz eines der besten Naturerbe-Gebiet in Deutschland bestätigt“, führt Karsten Otte an. Die vertretenen Organisationen DNR und EUROPARC bilden quasi die „Bundesliga“ des deutschen Naturschutzes.

Die Diskussion um eine Kulisse in mehren Teilen wurde von einigen Nationalpark-Kritikern aufgebracht. Karl-Friedrich Sinner, langjähriger Leiter des Nationalparks Bayrischer Wald und heute stellv. Vorsitzender von EUROPARC, sah darin kein grundlegendes Problem. Auch die Nationalparke Müritz und Sächsische Schweiz werden erfolgreich in mehreren Teil betrieben. Die jetzt definierten Nationalparkteile liegen alle in einem zusammenhängenden Waldgürtel. Diejenigen Teile des Waldes, die auf Grund der Besitzverhältnisse nicht in den Nationalpark einbezogen werden sollen, bleiben weiterhin Wald und sind größtenteils bereits heute als FFH- und Naturschutzgebiet gesichert. Karsten Otte: „Der Baummarder wird bei der Verfolgung seiner Lieblingsbeute Eichhörnchen nicht an der Nationalparkgrenze aus den Kronen steigen, und auch ein Rothirsch wird dem Duft eines Kahlwildrudels im Herbst über die Nationalparkgrenzen folgen.“

Großes Unverständnis äußert die Bezirkskonferenz über den Missbrauch der naturschutzfachlichen Fragestellung „Nationalpark“ im Wahlkampf. Herbert Dehmel dazu: „Herr Brok hat den Nationalpark zur Kampfzone seines Wahlkampfes erklärt und den Naturschutz damit der Beliebigkeit preisgegeben ! Wir sollten als Ziel eine größtmögliche Akzeptanz in der Region anstreben, so wie sie nach Gründung aller anderen Nationalparke in Deutschland auch erreicht worden ist.“ Es werde keinen Konsens in der Region zu diesem Thema geben, wie es noch nie gelungen ist, auch den Letzten zu überzeugen. Wenn schon eine Bürgerbefragung/ein Bürgerbescheid angestrebt werden soll, dann sei das auch Sache der Menschen in Münster, Dortmund oder Köln, denn denen gehöre der Staatswald genauso wie unser Naturerbe. Die Bezirkskonferenz fordert für diesen Fall, dass eine Befragung in ganz NRW durchgeführt werden soll!

Außerordentlich positiv reagierte die Bezirkskonferenz auf die Positionierung der Ministerpräsidentin Hannelore Kraft für den Nationalpark im Teutoburger Wald und der Senne.: „Eine erfreulich klare Aussage!“. Dies hatte sie in Veranstaltungen in Lemgo und Nieheim unterstrichen. Die Bezirkskonferenz hofft, dass diese Position auch von den örtlichen SPD-Vertretern geteilt und unterstützt wird.

Schreibe einen Kommentar