Mehr Wildnis wagen in OWL

Das Gutachten des Bundesamtes für Naturschutz (BFN) ist da! Am 14. Oktober 2013 wurden die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens „Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ vorgestellt. Die Bundesrepublik Deutschland hat sich 2007 mit ihrer „Nationalen Strategie zum Erhalt der Biodiversität“ verpflichtet, bis 2020 auf 5 % der gesamten Waldfläche, bzw. 10 Prozent der öffentlichen Wälder Natur Natur sein zu lassen. Die veröffentlichten Daten belegen nun, dass Deutschland sein Ziel mit aktuell 1,9 % Anteil von Wäldern ohne forstliche Nutzung noch lange nicht erreicht hat, und bis 2020 kaum erreichen kann. Ähnlich sieht es in NRW aus. Zurzeit sind nur in Naturwaldzellen im Staatswald auf kleineren Flächen Wildnisgebiete mit entsprechendem Schutz (Durchschnittsgröße 78 ha) neben den Wäldern im Nationalpark Eifel und einem ca. 700 ha großen Wildnisgebiet im Siebengebirge rechtlich gesichert.

In den Wald-Naturschutzgebieten in NRW ist die forstliche Nutzung ansonsten freigestellt. Für die Staatswaldflächen gibt es weitere Planungen von Wildnisgebieten, die aber allein nicht für die Zielerreichung ausreichend sind. Dass es vor dem Hintergrund der Sicherung der Biodiversität und auch im Zusammenhang mit dem Klimawandel unabdingbar ist, Wildnisgebiete vorzuhalten, das ist eindeutig wissenschaftlich belegt. Wilde Wälder mit Alters- und Zerfallsphasen sind um ein Vielfaches artenreicher als Wirtschaftswälder, in dene die Bäume auf dem Zenit ihres Wachstums entnommen werden (Eine Buche wird natürlich etwa 300 Jahre alt und im Wirtschaftswald mit ca. 120 Jahren entnommen). Die Naturschutzverbände von NABU, BUND und LNU, sowie der Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge e.V. fordern daher weitere Schritte und appellieren an Bundes- und Landesforst, Kommunal- und Körperschaftswald gemeinsam an dem Ziel der Umsetzung intensiv zusammenzuarbeiten, um in OWL das Ziel bis 2020 zu erreichen..

Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz, sieht eine besondere Verantwortung bei den öffentlichen Waldbesitzern im sogenannten „Hotspot der Biodiversität“ im Bereich Senne, Teuto und Egge, weil hier noch eine hohe Artenvielfalt vorhanden ist: „Der Bund ist aufgefordert schon heute die naturnahen Laubwälder auf dem Truppenübungsplatz Senne der natürlichen Dynamik zu überlassen und die Kiefernwälder naturnah für den künftigen Nationalpark zu entwickeln. Auch der Landesverband Lippe wird aufgefordert, einen Beitrag mit 10 % seiner Waldfläche für mehr Wildnis in Deutschland zu leisten. Ebenso das Land NRW, das landesweit bis über 10 % seiner Waldfläche beisteuern will, ist im Bereich der Nördliche Egge aufgefordert, weitere Laubwälder aus der Nutzung zu nehmen und rechtlich zu sichern.“

Erdmute von Voithenberg, Vorsitzende vom Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge unterstreicht, „dass NRW im Vergleich zu anderen Bundesländern über einen wesentlich geringeren Staatswaldanteil (13 % von 118.000 ha Gesamtwaldfläche in NRW) verfügt, so dass das Land allein das Ziel seinen Flächen nicht erreichen kann. Deshalb appellieren wir an die engagierten Bewirtschafter von Kommunal- und Körperschaftswald, in ihren Wäldern 10 %Wildnisflächen zuzulassen und sichern zu lassen. ohne, dass dabei eine Gefahr in der Holzversorgung für die Region OWL entsteht.“

Kommentar (1) Schreibe einen Kommentar

  1. ….wie passt das zusammen? Auf der einen Seite ist im Sinne des Entwicklungsvorhabens „Natürliche Waldentwicklung als Ziel der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ ein deutlicher Verzicht auf forstliche Nutzung unserer Wälder einzufordern (siehe oben) – auf der anderen Seite führt die Landesregierung NRW im Nationalpark Eifel auf 8 ha Fläche einen überhaupt nicht genehmigungsfähigen Kahlschlag durch (siehe: http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/ndr/2014/kahlschlag-100.html)!

    Die derzeitige, rot-grüne Landesregierung steht einerseits fassungslos vor einem unglaublichen Holz-Deal der Vorgängerregierung, führt aber andererseits den eingefädelten Unsinn fort.

    Ein Nationalpark Senne könnte vielleicht einiges wiedergutmachen….!

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