Ergebnisse vom 32. Deutschen Naturschutztag in Mainz

Unter dem Motto „Verantwortung für die Zukunft – Naturschutz im Spannungsfeld gesellschaftlicher Interessen“ hat der Bundesverband Beruflicher Naturschutz (BBN) e.V., das Bundesamt für Naturschutz (BfN), der Deutsche Naturschutzring (DNR) e. V. und 2014 das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz zum 32. Deutschen Naturschutztag (DNT) vom 08.09. – 12.09.2014 nach Mainz eingeladen. Es war eine hochkarätige Veranstaltung mit hervorragenden Vorträgen und Workshops. „In Zeiten vielfältiger Landnutzungsänderungen sowie technologischer und gesellschaftlicher Entwicklungen steht der Naturschutz vor der großen Herausforderung, seine Position als wichtige gesellschaftliche Aufgabe gleichermaßen zu behaupten wie zu reflektieren. Er ist stets gefordert, flexibel zu (re)agieren und immer wieder zukunftsfähige Lösungen zu finden.“

Beschluss der „Mainzer Erklärung“ vom Deutschen Naturschutztag, die dort gefasst wurde von den Teilnehmern (über 800 Teilnehmer, die in Amt und Ehrenamt bundesweit tätig sind und sich fortgebildet haben). Im Anschluss an die Erklärung, finden Sie die für den Förderverein relevanten Vorträge als PDF-Dateien verlinkt.

Auszug (Zitat)

„Der Schutz von Natur und Landschaft ist eine öffentliche Aufgabe und erstreckt sich auf den gesamten unbesiedelten und besiedelten Bereich. Naturschutz wird, das zeigen viele Umfragen, auch als ein ethisch fundiertes Anliegen begriffen. Mit seinen Zielen und Projekten wirkt der Naturschutz in einem Raum, der durch viele andere Nutzungen und Interessen geprägt ist: Land- und Forstwirtschaft sind die größten Flächennutzer, aber auch Wasserwirtschaft, Verkehr, Energiegewinnung, -speicherung und -leitung beanspruchen Raum. Siedlungen und Verkehrswege dehnen sich in die Landschaft aus und zerschneiden Lebensräume, die zum Erhalt der biologischen Vielfalt geschützt und entwickelt werden müssen. Damit ist das Spannungsfeld gesellschaftlicher Interessen skizziert, in dem Verantwortung für die Zukunft gefragt ist.

Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen ist Verfassungsauftrag. Damit ist er ein zentraler gesellschaftlicher Belang. Er weist Synergien zu zahlreichen anderen Bereichen auf: Der Schutz bestimmter Ökosysteme wie Moore und alter Wälder ist zugleich aktiver Klimaschutz, intakte Flussauen sind nicht nur überaus artenreich, sondern filtern Nährstoffe und sind wichtig für den Wasserrückhalt in der Landschaft, Großschutzgebiete wie Nationalparke und Biosphärenreservate leisten beträchtliche Beiträge zur regionalen Wertschöpfung und für unsere Lebensqualität.

In der Öffentlichkeit entsteht häufig der Eindruck, dass Naturschutzinteressen „erst nachträglich“ in ein existierendes Interessengeflecht eingebracht werden. Derartige Interventionen werden meist durch fehlende oder nicht rechtzeitige Berücksichtigung von Natur und Landschaft ausgelöst.

Dies stellt den Naturschutz vor besondere Herausforderungen. Es reicht nicht aus, darüber zu informieren, warum und wozu der Schutz von Natur und Landschaft erforderlich ist. Es geht vielmehr darum, Menschen so mitzunehmen, dass sie die Bedeutung des Anliegens verstehen, akzeptieren und es möglichst unterstützen.
In einer pluralistischen Demokratie ist ein offener Dialog notwendig, um den Schutz von Natur und Landschaft zu gewährleisten, die nötigen Schutzgebiete auszuweisen, naturverträglichere Nutzungen zu etablieren und Partner für Naturschutzprojekte zu gewinnen.

Erfolgreiche Partizipation bedeutet, selbst mitwirken zu können und – bei eigenen Projekten – andere Akteure mitwirken zu lassen. Darüber hinaus erfordert sie Zeit, Methodenkenntnisse, qualifiziertes Personal und ausreichende Finanzausstattung. Sie erfordert eine Argumentation, die fachlich überzeugend ist und die die Menschen einlädt, sich mit dem Naturschutz zu identifizieren.

Der Deutsche Naturschutztag 2014 hat sich mit den aktuell wichtigsten Herausforderungen des Naturschutzes intensiv befasst und folgende Forderungen verabschiedet:

Ein nationales Schutzgebietsprogramm auflegen!

„National wie international wird dem Aufbau eines konsistenten Schutzgebietssystems an Land und im Meer große Bedeutung zugemessen (vgl. z. Aichi-Target 11 der CBD). Dem gegenüber bestehen deutliche Lücken im deutschen Schutzgebietssystem und Defizite in qualitativer Hinsicht bei vielen Gebieten. Der Anteil an streng geschützten Gebieten ist in Deutschland im europäischen Vergleich zu gering (Nationalparke: 0,57 %, Naturschutzgebiete 3,7 % der Landfläche). Die rechtliche und tatsächliche Sicherung der Natura 2000 Gebiete weist ebenfalls noch erhebliche Defizite auf (s. Pilotverfahren der EU). Die möglichen Naturschutzleistungen der Naturparke sind bei weitem nicht ausgeschöpft. Auch leidet das Management vieler Gebiete an chronischer Unterfinanzierung, zu geringer Personalausstattung und mangelhafter Ausstattung mit den nötigen rechtlichen und administrativen Kompetenzen.

Der DNT begrüßt ausdrücklich die erfolgreichen Anstrengungen der Länder Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und des Saarlands zur Ausweisung neuer Nationalparke.

Der DNT fordert – eine weitere Stärkung des Schutzgebietssystems in Deutschland. Bestehende Schutzgebiete sollen qualitativ fortentwickelt und aufgewertet werden und mit den zur Aufgabenerfüllung nötigen personellen und finanziellen Ressourcen sowie deren Verwaltungen mit den nötigen rechtlichen und administrativen Kompetenzen ausgestattet werden. Alle Schutzgebiete sind adäquat rechtlich zu sichern, die Einhaltung der bestehenden Schutzbestimmungen ist insbesondere durch geeignete Nutzungsauflagen sicher zu stellen.

– die Schaffung der rechtlichen und finanziellen Voraussetzungen für ein gemeinsam durch Bund und Länder getragenes nationales Schutzgebietsprogramm für streng geschützte Gebiete wie Nationalparks, Naturschutzgebiete und Biosphärenreservate. Lücken im Schutzgebietssystem sind zu identifizieren und durch die konsequente Ausweisung weiterer Schutzgebiete zu schließen.

Der DNT 2014 ruft zudem die EU-Kommission dazu auf, den „Fitness Check“ der EU-Naturschutzrichtlinien dafür zu nutzen, einen umfassenden und konkreten Aktionsplan zur Behebung der Umsetzungsdefizite der Naturschutzrichtlinien und des Natura 2000-Netzes einschließlich einer effizienten Finanzierungsbeteiligung der EU zu entwickeln und gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten umzusetzen.“

Alte Buchenwälder Deutschlands – Ein Weltnaturerbe (M. Großmann, NLP Hainich, Bad Langensalza)

Bedeutung von Wildnis und natürlicher Waldentwicklung (S. Winter, Jena)

Rotbuchenwälder im Verbund schützen – Deutschlands nationale Verantwortung (Norbert Panek)

Biodiversitätsziele der NBS für den Wald – Was haben wir erreicht? (Dr. M. Klein, BA f. Naturschutz)

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