Truppenübungsplatz (TÜP) Senne als Nationalpark mit eigenem Wert zur Bewahrung der Heimat und ihrer Vielfalt

Mit dem besonderen Alleinstellungsmerkmal „Alte Naturlandschaft und Kulturlandschaft wird die Senne eine ganz besondere Position unter den Nationalparken in Deutschland einnehmen.
Der Biologe Prof. Dr. Roland Sossinka sagt aus, dass die Besonderheit eines Nationalparks Senne gerade darin besteht, dass er in Kombination von Wildnis und Offenlandflächen beispielhaft für Natur- und Kulturlandschaft steht. Die Senne im Bereich des Truppenübungsplatzes ist eine ganz besondere und herausragende Landschaft von europäischem Rang:
Neben Kiefernforsten, Buchenwäldern und Resten von alten Eichen-Beständen und Eichen-Birkenwäldern finden sich trockene und feuchte Heideflächen, Sanddünen mit Silbergras, Niedermoorflächen, sogar kleine Hochmoor-Reste, Erlen-Auwälder, glasklare Bäche und vieles mehr. Ein solches Mosaik verschiedenster Lebensräume ist sehr selten und – als Besonderheit – alles ohne Kunstdünger (die mageren Böden in der Senne sind nie in landwirtschaftlicher Nutzung mit Kunstdünger gewesen)! Lange bevor der Kunstdünger erfunden wurde, waren große Teile der Senne als Truppenübungsplatz gesperrt worden, zunächst als kaiserlicher TÜP, dann als Wehrmachtsgelände während der Nazi-Zeit, anschließend als britischer Übungsplatz. Dies begründet die hohe Zahl von Tier- und Pflanzenarten der Roten Liste, die andernorts durch Intensivierung ausgestorben oder gefährdet sind. Somit sind Teile dieser Region auch ein Landschaftsdenkmal, das uns zeigt, wie ursprüngliche Landschaften aussehen können.
Waldfreie Bereiche dürfte es in der Senne schon sehr lange gegeben haben, nicht nur vor 10.000 Jahren nach der Eiszeit, als die Region überwiegend Tundra-Landschaft war. Auch danach waren frisch aufgewehte Dünen so trocken, dass keine Bäume Fuß fassen konnten, waren neue Wälder von den großen und kleinen Pflanzenfressern aufgelichtet worden, schufen Orkane und Waldbrände offene Flächen. Erst mit der Besiedlung im Mittelalter wurden manche Teile der Wildnis gezähmt, aber nur ein bisschen. Der Sandboden, der keine Feuchtigkeit halten konnte, und die Nährstoffarmut erlaubten vielerorts keinen Ackerbau. Daher wurde eine extensive Weidewirtschaft betrieben. Die Haustiere führten die Auflichtung fort, die frühere Großsäuger begonnen hatten und fraßen besonders den Laubbaum-Jungwuchs. Dazu kam der Holzhunger der wenigen dort siedelnden Menschen. In der Folge blieben Offenland-Anteile stets vorhanden. Nur bergwärts auf Kalk sowie nahe der Quellen und Bäche und im südlichen Bereich der Feuchtsenne konnten sich geschlossene Wälder entwickeln, im Norden Buchen-Mischwälder, in der Mitte und im Süden Eichen-Birkenwald auf saurem Grund, Erlen-Eschen-Auwald und Moorwälder. Die klaren Bäche graben nach wie vor ein stets sich änderndes Bett durch den Sand, mit wechselnden Sandbänken und frischen Steilufern. So entstand das Mosaik aus Kulturland und Naturlebensräumen: zum einen extensives Weideland und einige verwilderte Plaggenesch-Äcker, zum anderen Moore und Wälder mit heute besonders schützenswerten natürlichen Lebensraumtypen.
Daran hat sich bis zur Gegenwart durch die militärische Abschirmung wenig geändert. Veränderungen nach dem zweiten Weltkrieg mit Abholzung und Kiefern-Aufforstung sind in Anbetracht des Alters von mehrhundert Jahre alten Bäumen in ungestörten Wäldern ein „kurzlebiges“ Phänomen.

Rings um den Truppenübungsplatz dagegen sieht man die tief greifenden Änderungen: ausgedehnte Maisfelder und fast humusfreie Böden an der Oberfläche sowie tlws. belastetes Grundwasser in der Tiefe. Umso deutlicher wird die Notwendigkeit des wirksamen Schutzes der Senne, der sowohl eine Pflege des nährstoffarmen Offenlandes – zum Beispiel mit Schafen – als auch ein Gewährenlassen der wildnisfähigen Wälder, Bäche und Feuchtgebiete umfasst.

Dies ist ebenso wie der gebotene Schutz der Vielzahl gefährdeter Tier- und Pflanzenarten am besten durch einen Nationalpark zu erzielen, zum Erhalt der Natur und zur Freude der Menschen. P1070511

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