Schatzkammer Senne: Verschollene Nachtfalter wiederentdeckt!

Die große Bedeutung der Senne als „Hotspot“ der Biodiversität (Bereich mit sehr hoher Artenvielfalt) in Deutschland und Europa zeigt eine aktuelle Studie zur Nachtfalterdiversität in der Wistinghauser Senne. Annalena Friedrich von der Universität Bielefeld konnte in Kooperation mit dem bekannten Lepidopterologen Hans Dudler zeigen, dass einige Arten, die im Bereich der Westfälischen Bucht als ausgestorben oder verschollen galten, wieder hier anzutreffen sind. Insgesamt fand Annalena Friedrich 243 verschiedene Nachtfalterarten! Am dominantesten waren dabei das Dottergelbe Flechtenbärchen und der Nadelgehölz-Blütenspanner. Auf einer offenen Heidefläche entdeckten die Forscher einen vom Aussterben bedrohten Falter, den Ringfleck-Rindenspanner. Auch einige in NRW stark gefährdete Arten konnten entdeckt werden wie der dunkelbraune Haarbüschelspanner und das Schwarze L. Einige erfasste Arten wie z.B. der in NRW stark gefährdete Zünsler Pempelia palumbella sind auf Heiden bzw. Offenlandflächen in den geschützten Bereichen der Senne angewiesen.

Der Trend zu gewinnbringenden Forstplantagen hat aber auch hier in der Senne schlimme Folgen. Auf den von Frau Friedrich untersuchten artenarmen Nadelwaldflächen war die Nachtfalterdiversität eher gering. Diese Umwandlung in Forsten mit gebietsfremden Arten wie der Douglasie hat sicherlich auch dazu geführt, dass das – früher häufige – kleine Nachtpfauenauge auf die Liste der gefährdeten Tierarten gesetzt werden musste. Die Untersuchung zeigte, dass der Erhalt von offenen Lebensräumen und einer Habitatvielfalt der Offenlandsysteme, wie wir sie (noch) in der Sennelandschaft antreffen, von enormer Bedeutung für die Biodiversität ist. Dass die „Rote Liste“ der bedrohten Arten von Jahr zu Jahr länger wird liegt ganz sicher primär am Verlust von solchen Lebensräumen. Diese wertvollen Lebensräume müssen erhalten bzw. ausgeweitet werden. Die vollständige Studie erscheint im Dezember im neuen Band der Lippischen Mitteilungen.