50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald – Wir gratulieren!

Neidvoll sehen wir nach Bayern, wie sich die Staatsregierung mit ihren Ministerpräsidenten hinter das Projekt des Nationalparks gestellt und trotz der Widerstände in der Bevölkerung sowohl die Gründung am 7.10.1970 als auch die Erweiterung 1997 beschlossen und umgesetzt hat.

Es waren für den Naturschutz zukunftsweisende, mutige politische Entscheidungen gegen viele Bedenkenträger, die sich nach all den Jahren mehr als “bezahlt” gemacht haben. Wirtschaftlich partizipiert die Region mehr denn je als Touristenmagnet und attraktives Reiseziel, das die lokale Wirtschaft ankurbelt und nachhaltig stützt. In der Region ist Vollbeschäftigung!

Prof. Dr. Job von der Universität Würzburg hat bei einem Symposium hier in OWL, das wir 2017 organisiert hatten, darüber informiert, dass sich inzwischen in der Region Bayerischer Wald 97 Prozent der Bevölkerung für das Bestehenbleiben des Nationalparks aussprechen und 60 Prozent der Touristen wegen des Nationalparks die Region aufsuchen. Ein großer regionalökonomischer Mehrwert!

Im Nationalpark Bayerischer Wald kann man seit den 1980er Jahren ablesen, wie die Natur, wenn man sie Natur sein lässt, sich regeneriert, wenn Wald großflächig abstirbt.  In den verschiedenen Entwicklungsschritten entsteht wieder ein besonders artenreicher natürlicher Wald, der auf die Klimaerwärmung resistenter reagiert und als Referenzfläche, insbesondere auch für unsere sterbenden Fichtenwälder in unserem Nationalpark-Projekt-Gebiet dienen sollte.

Wie positiv darüber hinaus, dass die Bayerische Staatsregierung vier weitere Waldflächen großflächig aus der Nutzung nimmt und damit Wald-Wildnisgebiete als neue Naturwälder ausweist! Eine derartige Initiative, neue über 1000 ha großflächige Wald-Wildnisgebiete zu schaffen, fehlt im Land NRW. Darum bemühen wir uns mit unserer Arbeit im Förderverein und das Vorgehen in Bayern ist uns dazu ein sehr gutes Vorbild, um Politik und Verwaltung zum Umdenken zu veranlassen.

Für OWL ist die Senne als Hot-Spot der Biodiversität mit den Offenland-Lebensraumtypen und einem Teil von naturbelassenen Wäldern von besonderem Interesse, den es naturerbe- und nationalparkwürdig zu erhalten und entwickeln gilt. So liegen im Truppenübungsplatz die typischen Landschaftsbilder und artenreichen Lebensräume der Senne mit „Alter Heidelandschaft“, Sandtrockenrasen und Mooren und ca. 60% Wald vor. Die Waldflächen werden intensiv genutzt und leiden unter dem Klimawandel mit der hohen Trockenheit.

Was bietet sich hier mehr an, als dass das Land NRW vom Bund in der Senne Wildnisentwicklung in den Wäldern nachhaltig fordert und das Militär dies zulässt. Die Wildnis-Entwicklung stellt eine tragfähige Alternative für die Ausbildung stabiler Wälder in der Senne dar. Diese“ Wilde Waldnatur“, mit einer phantastischen Vielfalt lässt das ständige Werden und Vergehen zu und ist ein Erlebnis für die Folgegenerationen, wie die Naturwald- Entwicklung im Nationalpark Bayerischer Wald nach dem großen Fichtensterben durch den Borkenkäferbefall erahnen lässt.

Die heutigen Pandemiezeiten zeigen das Bedürfnis der Menschen, gerade diese „wilden“ Naturerlebnisse zu suchen. Ebenso ist das zentrale Ergebnis der Naturbewußtseinsstudie von 2019 (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) und Bundesamt für Naturschutz (BfN) – „Naturbewusstseinsstudie 2019 – Bevölkerungsumfrage zu Natur und biologische Vielfalt“ -, dass das Naturbewusstsein in Deutschland wächst. Eindeutige Aussagen für die Zukunft der Senne als Nationales Naturerbe-Gebiet und als zukünftigen Nationalpark!

gez. die Vorsitzenden: Dipl.-Ing. Erdmute von Voithenberg und Dr. Tom Steinlein