Windenergieanlagen in Naturvorranggebieten des Teutoburger Wald?

OWL-Naturschutzverbände und Lippischer Heimatbund bezweifeln die Naturverträglichkeit von 13 Windkraftanlagen an der Gauseköte

ImKammbereich des Teutoburger Wald zwischen Schlangen und Detmold soll ein Windpark mit 13 Windkraftanlagen gebaut werden. In einer gemeinsamen Erklärung nehmen Naturschutzverbände und Heimatvereine aus Ostwestfalen-Lippe dazu Stellung. Unterzeichner sind: Lippischer Heimatbund, Naturschutzbund Deutschland (NABU), Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge e.V., Landesgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU) und die Bezirkskonferenz Naturschutz in OWL.

Die Verbände bekennen sich in ihrer Erklärung ausdrücklich zur Energiewende und zum Ausbau regenerativer Energiequellen, besonders auch der Windkraft. Dieser Ausbau muss aber naturverträglich erfolgen. Die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes sind dabei – besonders in Anbetracht des massiven Artensterbens – zu beachten. Das ist bei dem Investmentprojekt des Hauses zur Lippe und der Westfalen-Wind GmbH bisher nicht zu erkennen!

Für die Unterzeichner bleiben große Zweifel und Fragen:

  • Wie verträgt sich das Projekt mit dem Ziel der Regionalplanung, die hier einen „Bereich zum Schutz der Natur“ ausweist?
  • Was bedeutet das Projekt für die wertvollen FFH- und EU-Vogelschutzgebiete „Östlicher Teutoburger Wald“ und „Senne“?
  • Welche Auswirkungen haben die Anlagen auf Fledermäuse und geschützte Vogelarten wie den Schwarzstorch und Zugvögel, die hier den Teutoburger Wald überqueren?
  • Wie wird sich das Landschaftsbild verändern, wenn 240 Meter hohe Windkraftanlagen das nicht weit entfernte Hermannsdenkmal um das Vierfache überragen?
  • Was passiert mit der „Qualitätswanderregion Lippe – Land des Hermanns“, wenn in einem zentralen Bereich eine industrielle Anlage errichtet wird?
  • Sind investierte öffentliche Millionen für die Entwicklung des Tourismus verloren, um Privatinteressen ein lukratives Geschäft zu ermöglichen?
  • Werden durch den Bau der gewaltigen und tiefen Fundamente die Grundwasserleiter für die Wasserversorgung von Detmold und Schlangen beeinträchtigt?
  • Ist dies nicht die Zerstörung der Erholungslandschaft Teutoburger Wald?

Geplant ist für den Windpark die Beanspruchung von rund 400 Hektar Wald. Pro Anlage wird eine Fläche von etwa 5.000 Quadratmeter versiegelt und geschottert. Die zentrale Erschließung soll über die Straße Gauseköte erfolgen. Von dieser aus muss jede der 13 Anlagen mit einer mindestens fünf Meter breiten Zufahrtsstraße erschlossen werden. Diese Straßen müssen in der Regel gradlinig, für Schwerlastfahrzeuge befahrbar sein und massiv befestigt werden. Dagegen aber spricht die Raumplanung, die hier als oberstes Ziel vorsieht, einen „Bereich zum Schutz der Natur“ zu erhalten. Frage: Sind also derartige Eingriffe im vom Regionalplan als Schutzgebiet ausgewiesenen Wald vertretbar?

Die Planung wird vom Waldeigentümer u.a. damit begründet, dass Teile der betroffenen Waldflächen abgestorben seien. Es handelt sich um Fichtenflächen, die wegen Dürre und Borkenkäferbefall kahl geschlagen wurden. Im Gebiet selbst und in unmittelbarer Nachbarschaft sind Flächen mit naturnahen Laubmischwäldern bestockt. Die Potenziale für eine natürliche Wiederbewaldung sind sehr gut. In Anbetracht des aktuellen Waldsterbens muss hier diese Bewaldung zum naturnahen, ökologisch stabilen Laubwald prioritär sein. Gerade in einem „Bereich zum Schutz der Natur“ ist das unseres Erachtens zwingend notwendig. Auch für die Erholungsnutzung und die „Qualitätswanderregion“ wäre es bedeutsam.

Wie aber lässt sich ein Windpark, der Schneisen und Löcher in den Wald schlägt und erheblich in den Wald-Lebensraum eingreift, mit diesen Zielen vereinbaren? Die bisher vorliegenden Unterlagen zeigen: Für einige Anlagen muss ökologisch wertvoller Laubwald gerodet werden. Abgesehen von den tatsächlichen forstwirtschaftlichen Schäden in den Fichtenbeständen wirkt die Begründung unaufrichtig: dem Land NRW ist die Wiederaufforstung brach gefallener Flächen so wichtig, dass es mehr als die Hälfte der Kosten trägt. Es ist unbestritten legitim Gewinne aus der Verpachtung von 13 Standorten für Windkraftanlagen zu erzielen, ebenso, dass dies für ein Vielfaches von denkbaren Forsterträgen taxiert wird – die Frage stellt sich: wieso geschieht dies nicht auf ausgewiesenen Windenergie-Vorrangflächen, sondern in ökologisch besonders sensiblen und hochwertigen Bereichen

Das Bundesamt für Naturschutz bewertet den betroffenen Teutoburger Wald zusammen mit der Senne als „Hotspot der biologischen Vielfalt“. Er zählt deutschlandweit zu insgesamt 30 Regionen, die eine besonders hohe Dichte und Vielfalt charakteristischer Arten, Populationen und Lebensräume aufweisen. Die Fläche liegt im Bereich des 2013 (vorläufig) gescheiterten Nationalparks Teutoburger Wald und ist nach dem Gutachten des Landesumweltamtes (LANUV) für eine Nationalpark-Ausweisung naturschutzfachlich geeignet. Die Naturschutzverbände kämpfen für einen Nationalpark Senne – Teutoburger Wald.Außer den Flächen des Truppenübungsplatzes gehören auch die benachbarten Waldflächen weiterhin zur potenziellen Kulisse eines solchen OWL-Nationalparks. Die Errichtung eines Windparks in dieser Gebietskulisse stünde diesem Ziel entgegen und würde die Nationalparkpläne erheblich gefährden oder sogar zu nichte machen. „Will Stephan Prinz zur Lippe den ungeliebten Nationalparkplänen damit den Rest geben?“ fragt Karsten Otte von der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL.

Nach dem seit 2019 gültigen Landesentwicklungsplan, der für die Regionalplanung bindend ist, ist die Nutzung von Wald für Windenergie grundsätzlich ausgeschlossen, es sei denn die Nutzung einer Waldfläche ist alternativlos. Auch der im Entwurf für OWL neu vorliegende Regionalplan besagt, dass eine „Inanspruchnahme von Bereichen zum Schutz der Natur“ durch Windenergie nur erfolgen darf, „wenn die angestrebten Nutzungen und Funktionen nicht an anderer Stelle realisierbar sind“. Wie aber soll dieser Nachweis der Alternativlosigkeit erbracht werden, wenn in vielen Kommunen im Kreis Lippe, etwa in Detmold, ausgewiesene und noch nicht beanspruchte Windkonzentrationsflächen zur Verfügung stehen?

Die Unterzeichner befürchten außerdem, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, der zu weiteren Windkraftanlagen entlang der Kammlinie des Teutoburger Waldes und der Egge führen kann. Sie sind der Ansicht, dass Politik und Verwaltung bei einer ehrlichen, sachbezogenen und verantwortlichen Auseinandersetzung mit den Fakten die Pläne für den genannten Windpark nur ablehnen können. Natur und Umwelt sowie die Menschen in Lippe, die diese besondere Natur- und Kulturlandschaft mit den dort befindlichen zahlreichen deutschlandweit bekannten Denkmälern weiter ungestört erleben wollen, können eine umfassende Beantwortung der o.a. Fragen erwarten.

Unterzeichner: Brigitte Scheuer (Lippischer Heimatbund), Bernd Milde (NABU Lippe), Stefan Culemann (BUND Lippe), Erdmute v. Voithenberg (Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge und LNU), Karsten Otte (Sprecher Bezirkskonferenz Naturschutz)