Buchenwälder an der Gauseköte

Bedenken gegen Windindustrie im Teutoburger Wald bleiben

Naturschutzverbände fordern mehr Transparenz im weiteren Verfahren

Detmold. Zum Antrag für einen Windpark im Teutoburger Wald haben jetzt die Naturschutzverbände eine gemeinsame Stellungnahme in das weitere Verfahren eingebracht. In dem 13-seitigen Papier werden über 30 zu klärende Fragen aufgeworfen und durch Fachinformationen hinterlegt. Die Verbände fordern Antragsteller und Genehmigungsbehörden auf, die Fragen fundiert zu beantworten und dazu noch fehlende Informationen vorzulegen. Bei objektiver Prüfung müsse man, so die Verbände, zum Ergebnis kommen, dass ein solches Großprojekt an dieser Stelle im Widerspruch zu einer Vielzahl öffentlicher Belange steht. Die zu den Fragen schon bekannten Fachinformationen würden belegen, dass hier besonders die Belange des Natur- und Landschaftsschutzes und der touristischen Entwicklung der Region verletzt werden.

Dazu Karsten Otte, der Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz: „Alle Daten und Fakten zum Projekt insbesondere die genauen Standorte müssen endlich auf den Tisch! Damit der Eingriff in den Wald beurteilt werden kann, ist die Vorlage einer Kartendarstellung notwendig, in der die geplanten Anlagen und die Erschließungsstraßen eingezeichnet sind.“ Schon jetzt sei klar, dass die Aussage des Antragstellers, es würden größtenteils „zerstörte“ bzw. „devastierte“ Waldflächen beansprucht, nicht stimmt. Selbst dort, wo Fichten abgestorben sind, kann von “zerstört“ nicht gesprochen werden. Die Flächen bleiben Wald, der sich teilweise schon jetzt über Naturverjüngung wieder ausbreitet. Die Borkenkäfer-Schäden sind hier eine Chance, dass sich naturnaher Wald mit standortgerechten Baumarten entwickeln kann. Das zeigt sich auch schon an Stellen, wo sich nach Orkanschäden längst wieder neuer Wald mit jungen Bäumen ausgebreitet hat.

Besonders auf der östlichen Seite der Gauseköte, wo alleine 9 der 13 Anlagen gebaut werden sollen, wachsen zudem überwiegend ökologisch wertvolle Laubmischwälder, in denen Buchen dominieren. Deshalb fordern die Verbände eine detaillierte naturschutzfachliche Bewertung der betroffenen Waldstandorte.

Otte: „Der betroffene Wald ist von der Regionalplanung aus gutem Grund als „Bereich zum Schutz der Natur“ ausgewiesen worden.“ Nach dem Landesentwicklungsplan ist der Bau von Windenergieanlagen in solchen Gebieten ausgeschlossen, es sei denn, es ist ‚alternativlos‘. Eine solche Prüfung steht noch aus, dazu findet sich nichts in den Antragsunterlagen. Wenn das Landesumweltamt im Fachbeitrag zum Regionalplan diesen Wald als besonders bedeutsam für den Naturschutz und damit als besonders schützenswert bewertet, muss es zur Begründung einer Inanspruchnahme schwerwiegende Gründe geben! Das erfordert eine Prüfung aller möglichen Alternativstandorte in den betroffenen Gemeinden und im gesamten Kreisgebiet. Dazu heißt es in der Stellungnahme der Verbände: „ Wir erwarten (…), dass die Ausweisung der geplanten Windkraftkonzentrationsfläche im Höhenzug des Teutoburger Waldes nur auf der Grundlage rechtgültiger Flächennutzungspläne und auch nur innerhalb darin ausgewiesener Windvorrangzonen geschieht. Nur so kann sichergestellt werden, dass es zu dem Gebiet im bewaldeten Höhenzug des Teutoburger Waldes keine verträglichere Alternative gibt.“

Die unterzeichnenden Verbände und Vereine stellen zum Schluss noch einmal klar: „Wir stellen uns nicht gegen den Ausbau der Windenergie! Aber der Ausbau an der geplanten Stelle hat aller Voraussicht nach (das gilt es ja auch zu prüfen) ausgesprochen gravierende nachteilige Folgen für schutzwürdige Biotope, das Landschaftsbild, unser Ökosystem und tausende erholungssuchende Menschen. Da muss sichergestellt sein, dass der Windkraftausbau nicht auch an anderer Stelle mit geringeren Folgeschäden möglich wäre!“

Die Stellungnahme wurde unterzeichnet von:

  • Lippischer Heimatbund (LHB), Fachstelle Umweltschutz und Landschaftspflege
  • Naturschutzbund Deutschland (NABU), Kreisverband Lippe
  • Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Kreisgruppe Lippe
  • Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge e.V.
  • Landesgemeinschaft Natur und Umwelt (LNU)
  • Bezirkskonferenz Naturschutz OWL.

gez.
Brigitte Scheuer, Lippischer Heimatbund, Fachstelle Naturschutz
Bernd Milde, Naturschutzbund Deutschland (NABU)
Stefan Culemann, Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND)
Erdmute von Voithenberg, Förderverein Nationalpark Senne-Eggegebirge e.V.
Karsten Otte, Bezirkskonferenz Naturschutz in OWL

Stellungnahme der Naturschutzverbände (PDF)