Warum ein Nationalpark?

Senne und Eggegebirge

Mit artenreichen Offenlandgebieten, mit Heiden, Sandtrockenrasen und Mooren, wertvollen alten Buchenwaldbeständen, Mineralquellen und glasklaren Fließgewässern, bilden eine europaweit einmalige naturnah erhaltene Landschaft. Hier gibt es einen unglaublichen Reichtum an Pflanzen- und Tierarten, von denen mehr als 1.000 auf der „Roten Liste“ gefährdeter oder vom Aussterben bedrohter Arten stehen.

Dass diese Landschaft geschützt werden muss, ist kaum noch strittig. Meinungsverschiedenheiten gibt es aber in der Frage, wie weitreichend und nachhaltig diese Landschaft geschützt werden soll. Dabei werden auch Vorschläge gemacht, die „Schutz“ versprechen, häufig aber gar keiner sind. Dazu gehört der immer wieder in die Diskussion gebrachte Naturpark. Aber auch ein Biosphärenreservat könnte nicht die Schutzwirkung entfalten, wie sie von einem Nationalpark erwartet werden kann.

Nationalpark: Projekt von gesamtnationaler Bedeutung

Im Unterschied zum großflächigeren Biosphärenreservat hat ein wesentlich kleinerer Nationalpark, der zudem nur auf Flächen im öffentlichen Eigentum errichtet wird, nicht nur eine größere Realisierungschance – er allein hätte auch die erforderliche Schutzwirkung, um das Naturerbe Senne-Eggegebirge dauerhaft in seinen natürlichen Abläufen zu erhalten.Nationalparke sind in Zonen mit unterschiedlicher Schutzwirkung unterteilt. Im Kernbereich,  der so genannten „Prozessschutzzone“, kann die Natur sich ungestört entwickeln. In der „Managementzone“ werden die artenreichen Offenlandbereiche, wie Heiden, Moore und Sandtrockenrasen vor Verbuschung geschützt. Ein Nationalpark wäre deshalb nicht nur der beste Schutz, er wäre den besonderen Eigenarten unserer zu schützenden Landschaft auch am besten angemessen. Bad Lippspringe hat dies bereits erkannt und die geplante Landesgartenschau mit diesem Ziel eng verknüpft.

Darüber hinaus ist der Nationalpark auch ein Projekt von gesamtnationaler Bedeutung. Im .November 2007 hat die Bundesregierung eine „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“  beschlossen mit dem Ziel, die Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts, die Tier- und Pflanzenwelt einschließlich ihrer Lebensräume sowie die Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft auf Dauer zu sichern. Dieses Ziel ist von existenzieller Bedeutung für das Klima wie auch für die Erhaltung der Ökosysteme und genetischen Vielfalt. Die Begründung dafür schreckt auf:

„Von den einheimischen rund 3.000 Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands sind nach der aktuellen Roten Liste 26,8 % bestandsgefährdet (und 1,6 % ausgestorben oder verschollen). Von den einheimischen Tierarten Deutschlands sind 36 % bestandsgefährdet (und 3 % ausgestorben oder verschollen). Von den in Deutschland vorkommenden Lebensräumen sind 72,5 % gefährdet. Deutschland erreicht mit diesen Gefährdungsraten mit die höchsten in Europa.“

Um diesen ökologischen Niedergang zu stoppen, hält es die Bundesregierung für nötig, dass sich die Natur in Deutschland bis zum Jahr 2020 „auf 2 % der Fläche Deutschlands [und 5 % der Waldfläche] wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten ungestört entwickeln  kann. Da naturbelassene Gebiete  in Deutschland heute deutlich weniger als 1 % der Landesfläche umfassen, ist die Ausweisung weiterer Nationalparke eine unabdingbare Voraussetzung zur Erhaltung der Biodiversität und genetischen Vielfalt in Deutschland. Es gibt aber nur noch wenige Gebiete in Deutschland, die dafür so gut geeignet sind wie das Nationalparkgebiet im Bereich von Senne und Eggegebirge.

Naturpark lässt Natur weitgehend ohne Schutz

Das Bundesnaturschutzgesetz definiert „Naturpark“ als eine „durch vielfältige Nutzung geprägte Landschaft“, in der zum Schutz von Arten und Biotopen „eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird.“ Der vorrangige Zweck ist nicht Naturschutz, sondern die Förderung von nachhaltigem Tourismus. Laut Bundesamt für Naturschutz beträgt der Naturschutzgebietsanteil in den Naturparken deutschlandweit knapp 5 %, wobei bundesweit Unterschiede bestehen. In NRW sind die Naturparkträger i. d. R. Zweckverbände der Kommunen oder Vereine.Der Naturschutz ist dort mangelhaft, weil

  • die Naturparke zwar ein Anerkennungsverfahren durchlaufen müssen, ihre Ziele  aber nicht rechtsverbindlich festgelegt sind;
  • die Kommunen bei Bedarf Bauland im Naturpark ausweisen können;
  • es keinen Mindeststandard an nutzungsfreien Räumen gibt;
  • die forstliche Nutzung ebenso intensiv sein kann wie außerhalb: Der Wald wird nutzungs- und inzwischen auch maschinengerecht gestaltet, riesige Baumerntemaschinen (sog. Harvester) verdichten oft den Boden, und die Umtriebszeiten werden auf Kosten der Biodiversität verringert.

Die fehlende Schutzwirkung ist auch der Grund dafür, dass es in Deutschland 103 Naturparke gibt, aber nur 14 Nationalparke.

Biosphärenreservat in der Region ohne Chance

Für den Naturschutz ergiebiger ist das „Biosphärenreservat“. Seit 1976 sind Biosphärenreservate von der UNESCO als Schutzgebiete anerkannt. Obwohl sie im Landschaftsgesetz NRW nicht vorgesehen sind, gelten die Schutzkriterien der UNESCO auch in Deutschland. Demnach müssen Biosphärenreservate eine Größe von mindestens 300 km³ haben, wovon mindestens 3 % (= 9 km³) rechtsverbindlich Naturschutzgebiet sein müssen. Diese so genannte „Kernzone“ ist von Pflege- und Entwicklungszonen umgeben, die überwiegend die Voraussetzungen eines Landschaftsschutzgebietes erfüllen sollen. Kernzone und Pflegezone müssen zusammen mindestens 20 % der Gesamtfläche betragen. Ein Schutzgebiet dieser Größenordnung und mit seiner Zielsetzung ist nur zu erreichen, wenn auch landwirtschaftliche Betriebe einbezogen sind.

Zu den Zielen des Biosphärenreservats gehört der Schutz solcher Arten und Biotope, wie sie von der „durch hergebrachte vielfältige Nutzung geprägten Landschaft“ hervorgebracht wurden, sowie die „Entwicklung und Erprobung von die Naturgüter besonders schonenden Wirtschaftweisen“ (BNatSchG § 25). Es geht also vor allem um ökologisch nachhaltige Regionalentwicklung, um den Schutz der von Menschen geschaffenen Kulturlandschaften, und nicht um Natur- oder Landschaftsschutz.

Damit ist die Schutzwirkung des Biosphärenreservats außerhalb seiner Kernzone ähnlich „durchlöchert“ wie beim „Naturpark“. Aber auch die „Kernzone“ ist nicht vor menschlichen Eingriffen geschützt. In NRW ist es erlaubt, auch in Naturschutzgebieten die ordnungsgemäße Forstwirtschaft zu betreiben, Bäume zu fällen und den Wald wirtschaftlich zu nutzen (so genannte Grundschutzverordnungen mit Vertragsnaturschutz auf freiwilliger Basis). Zudem hat ein Biosphärenreservat in OWL auch politisch keine Chance. Als im August 2005 der damalige NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) in einer Ausschusssitzung des Landtags erklärte, dass er sich vorstellen könne, „eine Kombination aus einem Biosphärenreservat für einen großen Einzugsbereich zusammen mit einem integrierten Nationalpark zu gestalten, der vor allem den Staatswald in der Egge umfasst“, stieß dieser Vorschlag bei den Landwirten, privaten Forstbetrieben, Landräten und einigen Landtagsabgeordneten der CDU auf massive Ablehnung. Deshalb gab der Umweltminister am 15.2.2006 in einer Pressemitteilung kund, „dass das Land angesichts der breiten Ablehnung in der Region“ seinen Vorschlag nicht mehr „in Erwägung zieht“.