Rundbrief 2

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

unser Verein kann auf eine außerordentlich erfolgreich verlaufene Vortragsveranstaltung zurückblicken.
Am 14. Januar sprach Herr Dr. Hans Bibelriether zum Thema »Nationalparke in Deutschland – Vorbilder für die Senne?«. Er vermochte den etwa 250 Teilnehmenden mit der ihm eigenen Überzeugungskraft die Nationalparkidee nahe zu bringen. Dr. Bibelriether machte deutlich, dass es an der Zeit ist, den Wert des »Naturerbes« zu erkennen und ihm das Gewicht beizumessen, dass für uns alle das »Kulturerbe« ganz selbstverständlich besitzt.
Die wissens- und erfahrungsreichen Ausführungen Dr. Bibelriethers haben es aber auch vermocht, Ängste bei unmittelbar und mittelbar involvierten Menschen unseres Raumes abzubauen – Ängste, die ja in den vergangenen Monaten oft bewusst mit parteipolitischem Hintergrund geschürt wurden.
So konnte Dr. Bibelriether den Landwirten bestätigen, dass es im Bereich des Nationalpark Bayerischer Wald keine Bewirtschaftungsbeschränkungen gibt. Nach seiner Überzeugung ist die Nationalparkidee so gut, dass ihre Verwirklichung auf 80 bis 90 Prozent der Fläche schon ein großer Erfolg ist. Und die Naturschützer, die befürchtet hatten, in einem Nationalpark solle es zu Lasten der vorhandenen Freiräume nur noch Wald geben, konnten erfahren, dass in den Waldbereichen zwar die Natur der Natur überlassen bleiben sollte, dass aber ganz selbstverständlich die Eigenart der Sennelandschaft nicht zerstört werden soll, indem sie der natürlichen Sukzession überlassen wird.
Der Referent hat uns ins Bewusstsein gerufen, dass die Senne unter dem Schirm eines Nationalparks zu schützen, nicht die Wahrnehmung irgendeiner Chance bedeutet, sondern wohl die letzte Möglichkeit, um die für die Norddeutsche Tiefebene früher charakteristischen Biotoptypen zu schützen. Das sind neben den Waldgesellschaften, nämlich bodensauren Eichen- und Buchenwäldern, z. B. auch Moore, Heiden und Fließgewässer.
Das, was uns Herr Dr. Bibelriether zu sagen hatte, war mehr als Wissensvermittlung. Es war ein ermutigender Aufruf, der uns, die Mitglieder des Fördervereins in der Überzeugung bestätigt, dass die Ziele, die wir uns gesetzt haben, den richtigen Weg vorgeben.

Mit freundlichen Grüßen

Dietmar Stratenwerth (Vorsitzender)

Nationalparke in Deutschland – Vorbilder für die Senne?

Die Frage ist: Inwieweit können bestehende Nationalparke Vorbilder für einen Nationalpark Senne sein und was können wir aus ihren Erfahrungen lernen? Um darüber mit einer breiteren Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen, haben der Förderverein und die Stiftung für die Natur Ravensberg am 14. Januar Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Naturschutz zu einem Treffen mit Dr. Hans Bibelriether in das Parkhotel Bad Lippspringe eingeladen.
Dr. Bibelriether ist Präsident der Föderation der Natur- und Nationalparke Europas EUROPARC und bis zum 31. März 1999 Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald. Von dem auch international renommierten Experten mit reichen praktischen Erfahrungen konnten wichtige Aufschlüsse zu unseren Fragen erwartet werden.
Der große Festsaal des Park Hotels war bis auf den letzten Platz besetzt, als Dietmar Stratenwerth die Gäste begrüßte und den Zweck unseres Fördervereins erläuterte. Dieses Anliegen wurde von Dr. Bibelriether mit einem durch eindrucksvolle Dias von anderen Nationalparken illustrierten Vortrag so nachhaltig unterstützt, dass sich auch Bedenkenträger in den anschließenden Gesprächen der Nationalparkidee nicht mehr verschließen mochten.
Der Referent machte deutlich, dass die Senne die letzte Chance bietet, die natürlichen Waldgesellschaften der norddeutschen Tiefebene, Eichen- und Buchenwälder, großflächig zu schützen und zusammen mit Mooren, Heiden und Fließgewässern in einen Nationalpark von europäischem Rang einzubringen. Aus Erfahrung berichtete Bibelriether, dass es bei der Konzipierung und Errichtung eines Nationalparks notwendigerweise auch zu Kompromissen zwischen dem Anspruch auf Schutz des Naturerbes und von Kulturlandschaft kommen muss.
Das Beispiel Bayerischer Wald zeige, dass die »natürliche Natur« auch ein beträchtlicher ökonomischer Faktor ist. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen wilde Natur erleben wollten, würden so konzipierte Nationalparke ständig interessanter und attraktiver und trügen zum Wohl der gesamten Region bei, indem sie die infrastrukturelle und touristische Entwicklung fördern. Dies werde durch Erfahrungen vieler Nationalparke in Deutschland und Europa eindrucksvoll bestätigt.

Mitgliederversammlung 1999

Die jährliche Mitgliederversammlung des Fördervereins wird am 26. Mai 1999 um 19.00 im Heidehof in Oesterholz/Haustenbeck stattfinden.
Wir bitten bereits jetzt, diesen Termin vorzumerken – die Einladung und der Vorschlag zur Tagesordnung wird nach der nächsten Vorstandssitzung Ende April an alle Mitglieder gesendet.

Wissenschaftlicher Beirat

Die konstituierende Sitzung des Beirates hat am 21. November 1998 in Augustdorf stattgefunden. Mit inzwischen 18 gewählten Mitgliedern, die ihren spezifischen Sachverstand in dieses Gremium einbringen wollen, hat der Beirat nun eine für seine Effizienz sinnvolle Stärke erreicht. Vorsitzender ist Dr. Ernst Th. Seraphim, der im RUNDBRIEF 1 bereits vorgestellt wurde. Die Mitglieder des Beirates verteilen sich auf zwei Arbeitsfelder.
Zur Gruppe des naturwissenschaftlichen Arbeitsfeldes gehören Dr. Wolfgang Beisenherz (Ornithologie), Prof. Dr. Siegmar Breckle (Vegetationskunde und Pflanzenökologie), Dr. Klaus Renner (Entomologie, Zoologie), Oberstudienrat Werner Schulze (Entomologie), Prof. Dr. Roland Sossinka (Verhaltensökologie, Zoologie), Hauptschulrektor Gerhard Steinborn (Säugetiere) und Dipl.-Biologe H. Jürgen Wächter (Moose, Quellen, Gewässer).
Ihren Schwerpunkt im sozioökonomisch-kulturellen Arbeitsfeld haben Dipl.-Päd. Ulrich Kaminsky (Umweltpädagogik), Dipl.-Kaufmann Bernhard Krewet (regionale Strukturpolitik), Prof. Dr. Ulrich Mai (Wirtschafts- und Sozialgeographie), Realschullehrer i.R. Kurt Rohlfs (Kulturgeschichte), Dipl.-Geograph Rolf Spittler (Freizeit, Tourismus), Prof. Dr. Martin Stock (Jurist, Um-weltrecht u.a.) und Dipl.-Ing. Walter West-phal (Landschaftsplanung).
Drei weitere Mitglieder wurden von den Biologischen Stationen Lippe, Paderborner Land und Senne, in deren räumlichen Zuständigkeit jeweils Teilflächen des angestrebten Großschutzprojektes liegen, in den Beirat entsandt. Es sind die Dipl.-Biologin Ute Röder, der Dipl.-Biologe Dr. Ansgar Reichmann und der Dipl.-Biologe Peter Rüther.
Die zweite Sitzung des Wissenschaftlichen Beirates findet am 13. März 1999 statt. Als Tagesordnungspunkte sind Beratungen über den Sach- und Zeitplan der Arbeit des Beirates, über eine sinnvolle Abgrenzung des Großschutzgebietes und über dessen anzustrebenden Status vorgesehen. Auch sollen aufgabenspezifische Arbeitsgruppen gebildet werden.

Aktivitäten seit Oktober 1998

In den Vorstandssitzungen seit Erscheinen des RUNDBRIEF 1 im Oktober 1998 wurden die Aufgaben des Wissenschaftlichen Beirates diskutiert und seine Mitglieder gewählt. Der Beirat trat erstmals am 21. November 1998 zusammen.
Der Vorsitzende und weiterer Vorstandsmitglieder sprachen am 30. November 1998 mit Bärbel Höhn, Ministerin für Umwelt, Raumordnung und Landwirtschaft der Landesregierung in Düsseldorf. Über die Zielsetzung, einen Nationalpark in der Senne zu schaffen, besteht Einigkeit.
Die Veranstaltung »Nationalparke in Deutschland – Vorbilder für die Senne?« am 14. Januar 1999 in Bad Lippspringe wurde durch die Vorstandsmitglieder vorbereitet. Sie war mit etwa 250 Teilnehmenden ein großer Erfolg. Der Vortrag von Herrn Dr. Bibelriether und die sich anschließende Diskussion gaben Grundlagen für viele persönliche Gespräche – kaum jemand, der sich nicht beteiligt hätte.
Im Umfeld der Veranstaltung führte der Vorsitzende mit Simone Probst, Parlamentarische Staatssekretärin im Ministerium für Umwelt der Bundesregierung, ein ausführliches Gespräch.

Spendenaufruf 1999

Spenden sind wichtig, denn allein die Jahres-Mitgliedsbeiträge reichen nicht aus, die Ziele und Vorhaben des Fördervereins zu verwirklichen.
Wir danken allen, die sich entschlossen haben, unsere Arbeit mit einer regelmäßigen jährlichen Spende zu unterstützen – und wir rufen auch in diesem Jahr die Mitglieder und Interessenten auf, es gleich zu tun. Nutzen Sie beiliegenden Einzahlungsschein oder überweisen Sie ihre Spende direkt an das Spendenkonto. Die Spenden können steuerlich geltend gemacht werden, die Regierungshauptkasse in Detmold wird die Bescheinigung senden.
Wenn Sie sich entschließen, regelmäßig einmal im Jahr einen festen Betrag zu spenden, können Sie dafür auch eine Einzugsermächtigung senden.

Mitglieder werben

Zum 31. Dezember gehörten dem Förderverein 161 Mitglieder, fördernde und institutionelle Mitglieder an. Der Vorstand freut sich auf eine gute Zusammenarbeit mit allen, auf neue Ideen und auf engagierte Unterstützung bei der Verwirklichung der Ziele und Vorhaben des Fördervereins.
Viele weitere Mitglieder sind nötig, dem Verein eine kräftigere Stimme zu verleihen, wenn es um die Errichtung des Nationalparks Senne geht. Nutzen Sie die beiliegende Beitrittserklärung.
Wer will werben? Wir setzen keine »Prämie« aus, allein die größeren Möglichkeiten und Arbeitsfelder des Fördervereins können ein Spiegel der wachsenden Mitgliederzahl sein und damit auch ein Dank für Ihr Engagement. Gerne senden wir das Informationsprospekt über den Förderverein, damit er genutzt werden kann, neue Mitglieder und Spender zu gewinnen.

Satzung

Die Satzung des Fördervereins wird jederzeit zugesandt.
Wir bitten, einen adressierten und mit 2,20 DM frankierten Umschlag der Nachfrage beizulegen.

Februar 1999