Rundbrief 3

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

hinter uns liegt ein Jahr, in dem unser Nationalparkprojekt Fortschritte machen konnte. So ist es bemerkenswert, dass der Bezirksplanungsrat trotz seiner ansonsten deutlichen Distanz zum Umweltschutz beschlossen hat, den Nationalpark Senne »wegen seiner wirtschafts-, umwelt- und arbeitsmarktpolitischen« Bedeutung in den Zielkatalog für die Regionalentwicklung aufzunehmen. Durch die Arbeit des wissenschaftlichen Beirats haben wir bereits wichtige Planungshilfen gewonnen. Praktische Schritte auf dem Weg zur Errichtung eines Nationalparks sind denkbar im Zusammenhang eines Programms der Bundesregierung zur Förderung von Naturschutzprojekten gesamtstaatlicher Bedeutung. Ein Gespräch des Vorstands mit dem Leiter des Bundesamtes für Naturschutz in Bonn ergab, dass der Nationalpark Senne alle Chancen hat, in dieses Förderprogramm aufgenommen zu werden. Eine wichtige Aufgabe für das neue Jahr ist deshalb, möglichst bald Projektträger (Gemeinden, Stiftungen, Zweckverbände) zu gewinnen, um die erheblichen finanziellen Fördermittel beantragen zu können. Gespräche in dieser Richtung wurden schon begonnen. Ein wichtiger Beitrag zur Fundierung der Nationalparkidee und zur Versachlichung der Diskussion war eine Expertentagung »Nationalpark Senne – Chancen für die Region oder Hemmfaktor?«, die wir im Oktober zusammen mit der Akademie für Umweltforschung und -bildung in Europa (AUbE) durchgeführt haben. Die dabei angebahnten Gespräche mit Vertretern betroffener Gruppen und Ämter werden wir zielstrebig weiterführen. Ich danke Ihnen für Ihre Mitarbeit, Unterstützung und Spenden und wünsche uns allen ein erfolgreiches neues Jahr,

mit freundlichen Grüßen

Dietmar Stratenwerth (Vorsitzender)

Wissenschaftlicher Beirat

Der Beirat hat sich seit dem Versand des zweiten Rundbriefes intensiv mit der vorrangigen Frage der Abgrenzung des angestrebten Großschutzgebietes und – hiervon abhängig – mit den Kategorien von Schutzgebieten befasst. Dabei wurden das Gebiet des Truppenübungsplatzes und seine Umgebung in der Senne und im Lippischen Wald darauf gesichtet, ob es eine zusammenhängende Fläche gibt, die einer der Kategorien von Großschutzgebieten entspricht. Die Diskussion orientierte sich an den formalen Vorgaben für Naturschutzgebiete, Naturparke, Biosphärenreservate und Nationalparke und führte zu dem Ergebnis, dass der Truppenübungsplatz Senne – aber auch bestimmte, an ihn angrenzende Flächen, die zum Teil bereits unter Naturschutz stehen – die für einen Nationalpark zu fordernden Bedingungen erfüllen. Es herrschte Einigkeit darüber, dass der erarbeitete Abgrenzungsvorschlag nur vorläufig sein könne und Offenheit sowohl in Richtung einer Minderung der Fläche als auch ihrer Erweiterung bestehe. Auf eine parzellenscharfe Abgrenzung wurde verzichtet, da der Förderverein keine offizielle Planung betreibt, sondern Untersuchungen durchführt und Überlegungen anstellt, die für den Fall der Ausweisung eines Nationalparks in die dann erforderliche amtliche Planung eingehen sollen. Es herrschte Einigkeit auch hinsichtlich der Aussage, dass in den Nationalpark im allgemeinen keine besiedelten oder landwirtschaftlich genutzten Flächen einbezogen werden sollen. Im kommenden Jahr sollen erste Gespräche u. a. mit den Eigentümern, den zuständigen Kommunen und der Verwaltung des angrenzenden Naturparks „Eggegebirge und südlicher Teutoburger Wald” mit dem Ziel der gegenseitigen Information und der Entwicklung gemeinsamer Positionen geführt werden. Ob auch Teile der Senne (Stapel und benachbarte Naturschutzgebiete) und des Lippischen Waldes nordwestlich der L 758 Augustdorf-Pivitsheide und/oder des Lippischen Waldes und der Egge östlich der B 1 zwischen Schlangen und Horn – Bad Meinberg (Waldnaturschutzgebiet „Egge-Nord”) geeignet sind, in den Suchraum einbezogen zu werden, wird vom Wissenschaftlichen Beirat weiter geprüft. Zwei Arbeitsgruppen befassen sich mit der möglichen Infrastruktur des angestrebten Nationalparks, eine weitere mit den bestehenden noch ungelösten sowie den gelösten Problemen anderer Nationalparke, soweit sich aus ihnen auch Erkenntnisse für die zu gegebener Zeit im Nationalpark Senne entstehenden Fragen gewinnen zu lassen. Eine weitere Arbeitsgruppe versucht, die in der Gebietskulisse vorhandenen Relikte ehemaliger Nutzung (mit Ausnahme des Truppenübungsplatzes) zusammenzustellen, um sie hinsichtlich ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung für den Nationalpark im Beirat zur Diskussion zu stellen. Mitglieder des Beirates arbeiten an dem Projekt des entstehenden „Informations- und Dokumentationszentrums Naturschutz und Militär auf dem Truppenübungsplatz Senne” mit. Der Beirat wurde durch die Aufnahme von Herrn Forstassessor Rudolf Alteheld erweitert. Als Stellvertreter des Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirates wurden die Herren Prof. Dr. Roland Sossinka (naturwissenschaftlicher Sektor) und Jürgen Wächter (sozio-ökonomisch-kultureller Sektor) gewählt. Die Ergebnisse der Arbeit des Beirates wurden dem Vorstand des Fördervereins vorgestellt und der Beirat durch den Vorstand darin bestärkt, in seiner Arbeit auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren.

Sennewanderung

Nach langer Vorbereitung stand fest: Am 16. Oktober bestand die Möglichkeit, dass Mitglieder des Vorstandes mit einem kleinen Kreis eine Wanderung im Bereich des Truppenübungsplatzes durchführen konnten. Eingeladen waren Persönlichkeiten, die dem Förderverein besondere Unterstützung zukommen ließen. Eine hochkarätige Expertenmannschaft traf sich mit den Gästen in der Biologischen Station Paderborner Land. Die einstimmenden Begrüßungsworte sprach Dr. R. Lubek: Naturschutz aus der Sicht eines Arztes („Optimaler Artenschutz ist stets der Schutz von naturnahen Lebensräumen der Arten, das gilt für alle Arten, auch für die Spezies Mensch”). Der Haustenbecker Friedhof war Ausgangspunkt der Exkursion. Bei strahlend blauem Himmel, einer mit glitzerndem Rauhreif überzogenen Heidelandschaft, röhrenden Hirschen (Ende der Hirschbrunft), wanderte die Gruppe durch weite Heideflächen, entlang dem Haustenbachtal über die Margarethenhöhe zum Check-Point. Begleitet von den fachkundigen Kommentaren der Expertengruppe (Forstdirektor W.-C. Delius, Dr. A. Reichmann, Dr. E. Th. Seraphim, Dr. H. Wolf) hinterließ diese Wanderung allen Beteiligten eine bleibende Erinnerung und vermittelte auf eindrucksvolle Weise, wie lohnenswert die Zielsetzung des Fördervereins ist. Dieser wunderschöne Herbstmorgen klang mit vielen Gesprächen an einem herbstlich geschmückten Tisch, bei westfälischen Spezialitäten, im Historischen Gasthaus Buschkamp aus.

Der Förderverein im INTERNET

Mit Unterstützung der Felix-Fechenbach-Kooperative in Lage und eines unserer Mitglieder können seit September Informationen über den Förderverein auch im INTERNET erkundet werden. Die Seiten stehen unter der Adresse „www.fechenbach.de/ws/senne.htm”. Neben Informationen über die Senne, den Nationalpark und über den Förderverein finden sich die Satzung, Hinweise auf aktuelle Presseartikel und eine Seite mit „Links” zu anderen Nationalparken in Deutschland. Mit der Einrichtung dieser Seiten gibt es auch die Möglichkeit, über Email direkt mit dem Förderverein in Kontakt zu treten.

Mitgliederversammlung 2000

Die jährliche Mitgliederversammlung des Fördervereins wird voraussichtlich am 27. Mai 2000 um 10.00 Uhr stattfinden. Entsprechend der Satzung wird u. a. zum ersten Mal seit der Gründung 1998 ein neuer Vorstand gewählt. Wir bitten bereits jetzt, diesen Termin vorzumerken – die Einladung mit dem Versammlungsort und dem Vorschlag zur Tagesordnung wird rechtzeitig an alle Mitglieder gesendet.

Informationsstand zu den „Pferdetagen“

Im Rahmen unserer Kontaktaufnahme zu anderen Institutionen warben wir auch beim Westfälischen Freilichtmuseum in Detmold für die Nationalparkidee. Das Angebot des Leiters des Museums, Herrn Professor Baumeier, während der „Pferdetage” einen Informationsstand einzurichten, haben wir gerne aufgegriffen. Anfangs gab es Bedenken, die Themen „Senne” und „Pferde” zu früh öffentlich zu machen. Zum Teil bestehen Ressentiments der Art: „Da gibt es Spinner, die wollen die Pferde wieder in der Senne laufen lassen.” Doch haben wir es auf einen Versuch ankommen lassen. Für Organisation und Aufbau war die Hilfe des Instituts für Medien und Kunst in Lage-Hörste sehr wesentlich. Die biologische Station Senne stellte ihre Ausstellung zur Verfügung. Die Aktion war auch einen willkommenen Anlass, ein Großtransparent über den Förderverein anfertigen zu lassen, das bei weiteren solcher Aktivitäten genutzt werden kann. So konnten am 21. und 22. August Maria Grüntgens, Harald Kleidt, Jürgen Vollmar und Dr. Ralf Becker, der sich engagiert um die Vorbereitung und Koordinierung bemühte, unsere Idee in einem wohl ausgestatteten Stand präsentieren. Das Interesse reichte von „freundlich zurückhaltend” bis zu intensiven Gesprächen, die mit Senneanwohnern geführt werden konnten. Nicht unzufrieden können wir feststellen, dass wieder einige Schritte getan waren, unserer Idee zu verbreiten.

Expertentagung: Nationalpark Senne ist Chance für die Region

Die Einrichtung eines Nationalparks Senne bietet große Chancen für die Region. Das ist das einhellige Ergebnis einer Fachtagung, zu der die Akademie für Umweltforschung und -bildung in Europa (AUbE) und der Förderverein Nationalpark Senne e. V. Kritiker und Befürworter des geplanten eingeladen hatte. Etwa 50 Fachleute diskutierten am 22. Oktober in Lage-Hörste die Vor- und Nachteile eines solchen Großschutzgebietes. Mit der Veranstaltung, die von der Heinrich-Böll-Stiftung NRW unterstützt wurde, sollte Sachlichkeit in die teilweise emotional geführte Diskussion um die Zukunft der Senne gebracht und das Gespräch mit den betroffenen Interessengruppen gesucht werden. Es wurde nicht bezweifelt, dass Teile der Senne wegen ihrer weit über die Landesgrenze hinausgehenden ökologischen Bedeutung als Nationalpark ausgewiesen werden müssen. Alle Teilnehmer waren sich einig, dass bei der Umsetzung dieses landesplanerischen Ziels äußerst behutsam und sensibel vorgegangen werden muss, damit keine unberechtigten Ängste erzeugt werden. Der wissenschaftliche Beirat des Fördervereins arbeitet an einem Gebietsvorschlag. Dietmar Stratenwerth machte schon jetzt deutlich: »Kein Landwirt wird in seiner Bewirtschaftung beschränkt«. Extensivierungen der Landnutzung sollen nur auf freiwilliger Basis erfolgen. Mit allen Betroffenen solle auf jeden Fall der Konsens gesucht werden. Der Zeitpunkt der Errichtung eines Nationalparks ist auf Grund der militärischen Nutzung weiterhin ungewiss. Diskutiert werde aber in Fachkreisen die Möglichkeit eines Nationalparks, der die Nutzung als Sondernutzung zulässt. Deutlich wurde, dass bisher ein Leitbild für die Entwicklung des Gesamtraumes mit konkreten Aussagen zu allen Nutzungsansprüchen fehlt. Hier wird dringender Handlungsbedarf gesehen, um alle Interessen berücksichtigen, Konfliktbereiche aufzeigen und Entwicklungsperspektiven erarbeiten zu können. Die Ergebnisse der Auswertung der Landwirtschaftskammer zur Landwirtschaftsstruktur sowie die Anforderungen von Kommunen und Forstwirtschaft müssen mit dem vorhandenen Naturschutzleitbild abgeglichen und aufeinander abgestimmt werden. Als Entwicklungsperspektive wird von den Fachleuten besonders der Tourismus gesehen, den man sich als Bündnispartner wünscht.

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